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100km Dodendocht Belgien 2017

100km Dodendocht Belgien 2017

Ein paar Zeilen von unserem Stefan ( Leutnant) :

BELGIEN 2017

Am 10.08.2017 war es wieder soweit: Auf nach Belgien! Der „Dodentocht“ stand in Bornem / Flandern wieder an. Voller Vorfreude und Ehrfurcht (die letzten beiden Male waren nicht vergessen) ging es auf die Autobahnen der Republik. Stau, Umleitungen und schließlich die Vollsperrung der BAB 40 nach Venlo. Verkehrschaos pur und Umleitungen die Rätselfreunde erfreut hätten, mich aber nicht. Schließlich ging es über Köln, die Niederlande und den üblichen Stau bei Antwerpen auf den Zeltplatz von Bornem. „DoTo-Camping“ wurde also erreicht und alles war plötzlich gut.
Die Pfadfinder(innen), die alles organisiert und betreut haben, kann man nicht genug loben.

Es dauerte nicht lange und schon traf ich Bekanntschaften aus den Vorjahren: Ken, den Dänen. Josey, meine Lieblingsoffizierin der deutschen Marine, Per den Ex-Soldaten/Kollegen mit Schnupftabak, sowie einige mehr. Auch meine Zeltnachbarn waren prima! Insbesondere war da James, der Royal-Airforce-Soldat. Niemand singt morgens beim Instant-Kaffee besser!

Abends ging es dann zur traditionellen Party an der Karibik-Bar. Die riesige Feuerschale und die diesmal vorhandene Band wärmten … und vielleicht das eine oder andere „geistige Getränk“.
Da störte auch der Regen nicht, der auch schon fast Tradition am DoTo-Donnerstag ist.

Am 11.08.2017 war der übliche – entspannte - Ablauf (ohne Regen): Kaffee auf dem Gaskocher brutzeln, Frühstück, quatschen. Josey brachte mich - Ex-Grenadier - auf den aktuellen Stand, was die Bundeswehr angeht und auch sonst war die Stimmung durchweg entspannt. Nur normale Leute um einen herum, denen man nicht die üblichen Fragen beantworten musste... „Warum machst du so einen Blödsinn?“

Um 13.00 Uhr lief die Registrierung - wie üblich gut organisiert und stressfrei - in der Innenstadt von Bornem ab. Überall waren Lautsprecher aufgehängt, die die Charts herunterspielten.
Danach ging ich noch einmal „chillen“ und genoss die Sonne.
Gegen 19.00 Uhr machte ich mich langsam marschbereit und ging in den Startbereich.
Die dortige Taschenkontrolle war der allgemeinen Terrorgefahr geschuldet.

Der Startschuss war pünktlich um 21.00 Uhr, die knapp 14.000 Teilnehmer kamen aber nur seeeehr langsam in Bewegung. Ich passierte (etwa im Mittelfeld) um 21.18 Uhr die Startlinie.
Nach einigen Kilometern löste sich das Gedränge etwas und man konnte in einen zügigen Marsch übergehen … im urbanen Gebiet umjubelt und von den Zuschauern durch Musik, Klatschen und Tanzdarbietungen unterhalten.

Für die Sinne war zunächst viel dabei: Gute Verpflegung, ein romantisch beleuchtetes Schlösschen (Kasteel d´Ursel) und vieles, vieles mehr. In einer Schleife ging es zurück durch Bornem und dann weiter in die flachen Strecken von Flandern. Gegen 04.00 Uhr wurde es hart, sehr hart. Leichter und beständiger Regen hatte eingesetzt, die Müdigkeit setzte mir arg zu. Auch die anderen Läufer stapften schweigend/leidend vor sich hin. Dazu kam der Umstand, dass die Veranstalter in diesem Jahr die Strecke geändert hatten. Die Palm-Brauerei stellte ihre Firma nicht mehr zur Verfügung und diese war doch in den vorherigen Jahren Haupt-Verpflegungspunkt zur ungefähren Hälfte der Strecke. Nun sollte es eine Sporthalle in MERCHTEM sein. Der Abschnitt vor MERCHTEM war eine Distanz von 16,2 km am Stück, ohne Pause und ohne Verpflegung. Immer mehr Läufer saßen oder lagen „ausgepowert“ am Wegesrand. Mein linkes Knie und meine rechte Leiste zickten; mental war ich an einem absolutem Tiefpunkt! MECHTEM! Dieser Ortsname war wie ein Fluch in meinem Kopf. MECHTEM, da wollte ich mit diesem Wahnsinn aufhören.

Endlich in MECHTEM angekommen, waren es verschiedene Faktoren, die mich wieder haben starten lassen:

Also habe ich mir MP3s von „TWAO STEPS FROM HELL“ in die Ohren gedröhnt und bin wieder gestartet. Attacke, zum Teufel nochmal!

Mit erstaunlich zügigem Schritt und irritierender, plötzlicher Leichtigkeit ging es voran.
Kilometer 75 war (gefühlt) schnell erreicht und es ging weiter, immer weiter. Viele nette Gespräche mit völlig unbekannten Menschen folgten. Beispiel: „ You came from Germany to make this March? Crazy!“

Der bisher immer wieder einsetzende, leichte Regen endete und das „Regenjacke an/aus“ somit auch.

Die Füße fühlten sich noch ganz gut an, nur leider hatte ich mir (vermutl. aufgrund der Nässe) am Gesäß mittlerweile einen extrem schmerzhaften „Wolf“ gelaufen.

An der vorletzten Verpflegungsstation hatte ich mir dann eine längere Pause gegönnt. Ich wusste aus Erfahrung, dass die letzten beiden Etappen insbes. psychisch belastend sind.
Teil der Pause war, dass ich im Sanitätsbereich meinen Hintern versorgen wollte. Nach Schilderung des Problems, forderte mich eine stämmige Sanitäterin auf, in einer Kabine zu warten. Sie wollte mich dort mit Vaseline einreiben. Ich konnte sie glücklicherweise überzeugen, dass ich vital genug war, um mich selbst zu versorgen!

Die vorletzte Etappe ging einen nicht enden wollenden Fluß entlang, die letzte durch Bornem.
Die letzten Kilometer waren wieder die übelsten! Schließlich erreichte ich die Zielgerade und das Publikum jubelte wie verrückt. Erschöpft und emotional „angefasst“ ging es ins Ziel.

Im „Tent“ gab es eine Tüte mit Nettigkeiten, den Totenkopf-Orden und eine Urkunde („Diploma“).
Ich konnte es kaum fassen: Nur 18 Stunden und 47 Minuten! Deutlich schneller als die beiden Jahre zuvor.

Auf dem noch fast leeren Zeltplatz angekommen, gab es eine heiße, unendlich lange Dusche. Blasen unter den Füßen (dem Regen geschuldet) wurden versorgt und ein Dosen-Bier vernichtet. Es war ein unglaublich gutes Gefühl den „Dodentocht“ das dritte Mal geschafft zu haben. Per (der Hobby-Autor) hat mir noch eines seiner Bücher gewidmet und dann ging es in den Schlafsack. Das mein darunter befindliches Luftbett in der Nacht platt wurde, habe ich nicht gemerkt...

Von 13.952 Teilnehmern haben es 8.582 das Ziel erreicht, 5.370 haben aufgegeben!
Wie sagte John so schön: „Waht a shit this year, but heyho!“

Genau! HEYHO! Ich freue mich auf den DODENTOCHT 2018 !!!

WIEDER WIRD DER WEG DAS ZIEL SEIN !!!

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